Brief an die Aktionäre

Die Menschen sollen wissen,
wofür Bayer steht

Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre, liebe Freunde von Bayer (Handschrift)

ich freue mich, Ihnen den neuen Geschäftsbericht von Bayer zu präsentieren. Er spiegelt ein ereignisreiches Jahr wider, in dem sich unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter überall auf der Welt einmal mehr für eine erfolgreiche Entwicklung unseres Unternehmens eingesetzt haben. Dafür möchte ich mich im Namen des Vorstands – und sicherlich auch in Ihrem Namen, liebe Anteilseignerinnen und Anteilseigner – herzlich bedanken.

Das Vertrauen, das Sie unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, den Mitgliedern aus Aufsichtsrat und Vorstand und auch mir persönlich entgegenbringen, bestärkt uns in der täglichen Arbeit. Dafür danke ich Ihnen, und ich freue mich, dass wir Sie auch in diesem Jahr angemessen am Erfolg von Bayer beteiligen können. Wir haben daher der Hauptversammlung eine Erhöhung der Dividende auf 2,80 Euro pro Aktie vorgeschlagen.

2017 war ein Jahr mit Licht und Schatten. Wir haben viele Fortschritte erlebt, aber auch Rückschläge. Wir haben neue Zulassungen erhalten, neue Kooperationen geschlossen und erfreuliche Erfolge gefeiert. Aber wir hatten auch mit den unerwartet hohen Lagerbeständen in unserer Division Crop Science in Brasilien und der schwachen Geschäftsentwicklung in unserer Division Consumer Health zu kämpfen und mussten im Jahresverlauf unsere Prognose anpassen. In Summe blieben wir 2017 damit bei Umsatz und Ergebnis lediglich auf dem Niveau des Vorjahres.

Unser Aktienkurs reflektierte diese Entwicklung. Im Verlauf des Jahres 2017 stieg der Kurs um etwas mehr als sieben Prozent, weniger als der DAX und der EURO STOXX 50. Dabei spielte sicherlich auch die anhaltende Prüfung der geplanten Übernahme von Monsanto eine Rolle. Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir die finale Freigabe der Behörden im Verlauf des zweiten Quartals 2018 erhalten.

2017 haben wir auch im übrigen Portfolio von der langfristigen Neuausrichtung unseres Unternehmens profitiert. Seit dem Börsengang von Covestro 2015 verfolgten wir das Ziel, unsere Anteile Schritt für Schritt zu verkaufen und uns mittelfristig komplett von Covestro zu trennen. Im vergangenen Jahr reduzierten wir die direkt von der Bayer AG gehaltenen Anteile an Covestro von 64,2 Prozent auf 24,6 Prozent und realisierten damit dank einer guten Kursentwicklung von Covestro Mittelzuflüsse von rund 4,7 Mrd. Euro. Hier hat sich der strategische Weitblick von Bayer bewährt, und darüber hinaus hatten wir eine glückliche Hand.

Mit der gleichen langfristigen Perspektive verfolgen wir die geplante Übernahme von Monsanto. Wir sind zutiefst davon überzeugt, dass beide Unternehmen gemeinsam erheblichen zusätzlichen Wert schaffen können. Davon profitieren unsere Kunden und Aktionäre, aber eben auch die Gesellschaft, in der wir leben und deren Akzeptanz wir brauchen. Nahrungsmittel in hochwertiger Form, ausreichender Menge und zu erschwinglichen Preisen bereitzustellen, ist von entscheidendem Wert für das menschliche Zusammenleben. Dazu wollen wir beitragen.

Bei den behördlichen Freigaben für die geplante Übernahme haben wir 2017 wichtige Fortschritte erzielt. Von besonderer Bedeutung war die Einigung mit BASF im Oktober, die große Teile unseres Saatgut-Geschäfts und die Herbizidplattform Liberty / LibertyLink™ betrifft. Dies sind hervorragende Geschäfte, die von unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern über Jahre aufgebaut wurden. Wir bedauern, dass wir diese abgeben müssen, sind aber davon überzeugt, mit BASF einen langfristig orientierten strategischen Erwerber und einen Arbeitgeber mit erstklassiger Reputation gefunden zu haben.

Eine weitere langfristige Entscheidung haben wir im November getroffen. Mit der Einlizenzierung zweier Entwicklungskandidaten des Biotechunternehmens Loxo Oncology stärken wir unser bestehendes Onkologie-Portfolio. Wir halten damit auch Wort. Denn wir haben immer betont, dass wir unabhängig vom Erwerb von Monsanto auch weiterhin in unsere anderen Geschäfte investieren werden.

Klarer Fokus und langfristige Perspektive – das ist die Art, wie wir unser Unternehmen führen.

Bayer-Vorstandsvorsitzender Werner Baumann (Foto)

Bayer-Vorstandsvorsitzender
Werner Baumann

Covestro, Monsanto und Loxo sind Beispiele, bei denen Bayer 2017 strategischen Weitblick bewiesen hat. Klarer Fokus und langfristige Perspektive – das ist die Art, wie wir unser Unternehmen führen. Wir richten unsere Geschäfte an den großen gesellschaftlichen Fragen zu Gesundheit und Ernährung aus und wir sind überzeugt, auf der Basis höchster Standards und unserer Verantwortung für Mensch und Umwelt substanzielle und nachhaltige Antworten geben zu können. Für diesen Anspruch steht der Unternehmenszweck von Bayer: „Science for a better life“.

Dieser Anspruch verbindet uns über Länder und Aktivitäten. Doch was sind die großen gesellschaftlichen Fragen? Und wie könnten die Antworten darauf aussehen?

Wir erkennen z. B., dass unsere Lebenserwartung mit jeder Generation steigt. Doch je älter wir werden, desto anfälliger sind wir auch für Krankheiten. Dieser Entwicklung durch bessere Vorsorge und Therapie zu begegnen, ist von herausragender gesellschaftlicher Bedeutung. Durch Forschung und Innovationen den demografischen Wandel zu begleiten und so ein längeres gesundes Leben zu ermöglichen, zählt zu den großen Herausforderungen unserer Zeit.

Dieser Aufgabe hat sich unsere Division Pharmaceuticals verschrieben und dabei auch 2017 Fortschritte erzielt: Im Februar konnte eine klinische Phase-III-Studie zu Rivaroxaban – dem Wirkstoff von Xarelto™ – in Kombination mit Aspirin™ wegen überragender Wirksamkeit vorzeitig beendet werden. Durch diese Kombination kann das Risiko schwerwiegender Erkrankungen, z. B. von Herzinfarkten oder Schlaganfällen, substanziell verringert werden.

Operativ konnte das Pharmageschäft im Geschäftsjahr 2017 den Umsatz währungs- und portfoliobereinigt um 4,3 Prozent und das bereinigte EBITDA um 8,8 Prozent steigern, wobei vor allem der Umsatz unserer Hauptwachstumsprodukte Xarelto™, Eylea™, Xofigo™, Stivarga™ und Adempas™ erneut deutlich zulegte, um mehr als 16 Prozent auf mehr als 6 Mrd. Euro. Das ist eine sehr erfreuliche Entwicklung.

Auch mit unserer Division Consumer Health für nicht verschreibungspflichtige Medikamente folgen wir langfristigen Entwicklungen. Wir erleben einen Self-Care-Trend, der sich durch Individualisierung und Digitalisierung weiter verstärkt. Das Bewusstsein für Bewegung und Vorsorge ist gestiegen und damit die Erkenntnis, dass man für die eigene Gesundheit etwas tun muss. Niemand kennt uns besser als wir selbst. Deshalb brauchen wir auch – sei es zum Beispiel gegen Sonneneinstrahlung oder Allergien – einen individuellen Plan zum Schutz unserer Gesundheit.

Für diesen Trend ist unser Geschäft gut aufgestellt – und dennoch war 2017 operativ ein schwieriges Jahr. Insbesondere der Wettbewerb in den USA hat uns zugesetzt, ebenso wie eine behördliche Entscheidung in China. Unter dem Strich blieben die Zahlen von Consumer Health 2017 unter dem Vorjahr und auch unter unseren Erwartungen. Der Umsatz verringerte sich währungs- und portfoliobereinigt um 1,7 Prozent. Das bereinigte EBITDA ging deutlich um 12,8 Prozent zurück.

In der Landwirtschaft sorgen die globalen Herausforderungen für besonders drängende Fragen: nach der Nahrungsproduktion für eine stetig wachsende Weltbevölkerung, nach der Nahrungssicherheit in Zeiten des Klimawandels, nach einer Landwirtschaft, die nachhaltig und effizient mit endlichen Ressourcen umgeht. Alle diese Fragen sind Teil einer Menschheitsaufgabe, die Landwirte in den nächsten Jahren weltweit zu bewältigen haben. Als Partner der Landwirte – von großen Agrarbetrieben genauso wie von Kleinbauern – will Bayer an der Lösung dieser Aufgabe mitwirken.

Das Geschäft unserer Division Crop Science war 2017 durch die schwierige Situation in Brasilien geprägt. Dort haben mehrere Faktoren zu unerwartet hohen Lagerbeständen an Pflanzenschutzmitteln geführt, sodass wir im zweiten Quartal Rückstellungen bilden und unsere Geschäftsprognose für das Gesamtjahr korrigieren mussten. Wir haben umgehend eine Reihe von Maßnahmen zur Normalisierung der Situation in die Wege geleitet und sehen mittlerweile, dass diese Maßnahmen greifen. Insgesamt sank 2017 der Umsatz von Crop Science währungs- und portfoliobereinigt um 2,2 Prozent. Ohne Brasilien lag das Geschäft allerdings über dem Niveau des Vorjahres. Das bereinigte EBITDA von Crop Science ging 2017 um 15,6 Prozent zurück. Positiv entwickelte sich unsere Geschäftseinheit Animal Health mit einem Plus von 2,0 Prozent beim währungs- und portfoliobereinigten Umsatz und 9,2 Prozent beim bereinigten EBITDA.

Langfristige Perspektive bedeutet auch, kontinuierlich in die Zukunft zu investieren. Das tut unser Unternehmen auf einem hohen Niveau: 2017 haben wir 4,5 Mrd. Euro für Forschung und Entwicklung ausgegeben. Zudem investieren wir in unsere Standorte: Die Investitionen in Sachanlagen lagen 2017 bei 2,1 Mrd. Euro. Auch für dieses Jahr sind ähnliche Größenordnungen fest eingeplant.

Darüber hinaus beschäftigen wir uns mit „Leaps by Bayer“ intensiv mit vielversprechenden, zukunftsweisenden Technologien. Beispielsweise haben wir 2017 ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet, um Mikroben so zu verbessern, dass sie Nutzpflanzen über ihre Wurzeln Stickstoff zur Verfügung stellen können. Stickstoffdünger könnte so vielleicht eines Tages überflüssig werden. Dadurch würde die Bodenbelastung auf den Feldern sinken, ebenso wie die Emission von Treibhausgasen. Es wäre ein Meilenstein für eine nachhaltigere Landwirtschaft.

Wir investieren in unsere Zukunft. Das gilt auch für uns als Arbeitgeber. Im vergangenen Jahr haben wir gemeinsam viel dafür getan, dass Bayer ein Unternehmen bleibt, bei dem Menschen überall auf der Welt gerne arbeiten. Wir pflegen eine Kultur, die von Vertrauen und Respekt geprägt ist, und bieten unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten. Auch 2017 wurde Bayer weltweit mehrfach als Top-Arbeitgeber ausgezeichnet, u. a. in Deutschland, China und Brasilien. In Deutschland verzeichneten wir 2017 einen neuen Bewerberrekord für unsere Ausbildungsplätze, und laut einer Umfrage gelten wir unter deutschen Schülern als das mit Abstand beliebteste Unternehmen der Chemie- und Pharmabranche. Darauf sind wir stolz.

Wir wollen, dass die Menschen wissen, wofür Bayer steht. Das gilt gerade jetzt, wo die geplante Übernahme von Monsanto besonders im Fokus ist. Wir erleben, dass die emotionale Aufbereitung von Ängsten die Debatte prägt, oft mehr als die Vermittlung von Fakten. Das lehnen wir insbesondere dann ab, wenn Angst als ein Geschäftsmodell benutzt und damit zum eigenen Vorteil geschürt wird.

Unser Geschäftsmodell sieht anders aus: Wir erfinden und erschaffen neue und bessere Produkte für die Bedürfnisse von Menschen. Diese Produkte müssen akribisch geprüft und dürfen nur bei positiven Nutzen-Risiko-Bewertungen zugelassen werden. Um das zu erreichen, arbeiten wir mit den höchsten Standards in Forschung, Entwicklung und Produktion, für Kunden und Patienten ebenso wie für die Nachhaltigkeit unseres Tuns.

Dieses Streben nach neuen Lösungen führt zu Innovationen und gesellschaftlichem Fortschritt. Der Weg dorthin entspricht oft eher einem steilen Pfad mit vielen Kurven und Hindernissen als einer breiten Straße, auf der jeder zum Ziel kommt. Forschung und Fortschritt gehen mit Unsicherheit einher und sind auf Aufwand und Ausdauer angewiesen. Aber dieser steile Pfad ist der einzige Weg, der uns als Gesellschaft weiterbringt. Davon bin ich fest überzeugt. Diesen Weg zu beschreiten, liegt in der Kernkompetenz von Bayer.

Als weltweit tätiges Unternehmen tragen wir eine Verantwortung, zu der wir stehen und der wir gerecht werden, indem wir uns zu den Prinzipien des Global Compact der Vereinten Nationen bekennen und uns an klaren Werten orientieren. Dazu zählt, dass Sicherheit für uns oberste Priorität hat. Wir minimieren Gesundheits- und Umweltrisiken entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Wir vermitteln unseren Kunden, wie unsere Produkte sicher angewendet werden. Wir stehen für einen fairen Umgang und fairen Wettbewerb. Wir halten uns an die Gesetze und handeln nach höchsten ethischen Maßstäben.

An diesen Werten wollen wir uns messen lassen, auch von Ihnen, liebe Aktionärinnen und Aktionäre. Ich danke Ihnen für das Vertrauen, das Sie Bayer entgegenbringen. Wir werden auch 2018 alles dafür tun, diesem Vertrauen gerecht zu werden.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Werner Baumann (Handschrift)

Werner Baumann
Vorstandsvorsitzender der Bayer AG

Vergleich zum Vorjahr