Chancen- und Risikobericht

Chancen- und Risikolage

Als wesentliche zu berichtende Risiken im Sinne von DRS 20 werden im Folgenden alle hohen sowie die mittleren, vom Schadensausmaß her mindestens als signifikant eingestuften, finanziellen und nichtfinanziellen Risiken berichtet. Diese befinden sich innerhalb des schwarzen Rahmens in der Bewertungsmatrix im Kapitel „Konzernweites Chancen- und Risikomanagementsystem“. In der im Vorjahr geltenden Systematik wurden dagegen alle Risiken mit einem Schadensausmaß von über 500 Mio. € betrachtet. Wir berichten des Weiteren bedeutende Risiken, die unter Umständen nicht, nur unzureichend oder wenig aussagekräftig finanziell quantifizierbar sind. Die in diesem Abschnitt ausgewiesenen Risiken beschreiben wir detailliert unter Berücksichtigung der etablierten Mitigationsmaßnahmen (Nettorisiko). Ferner berichten wir über wesentliche Chancen, die im Chancenmanagement identifiziert wurden.

Vergleichbare Risiken aus unterschiedlichen Unternehmensbereichen werden gegebenenfalls zusammengefasst berichtet. Die Reihenfolge impliziert keine Wertigkeit der Risiken. Im Vergleich zum Vorjahr wurden die Risikomanagementprozesse weiterentwickelt und im Zuge dessen auch die Bewertungsmethodik wie oben beschrieben geändert. Aus diesem Grund ist ein Jahresvergleich der Risiken nur bedingt möglich. Wir haben daher darauf verzichtet, diesen abzubilden. Sofern relevant, gehen wir in der Beschreibung auch auf segmentspezifische Ausprägungen der Chancen und Risiken ein.

Gesondert zu erläuternde Risiken im Zusammenhang mit den Aspekten gemäß der Definition des CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetzes müssten nach unserem Verständnis mindestens das Schadensausmaß „kritisch“ und eine mit „sehr wahrscheinlich“ eingestufte Eintrittswahrscheinlichkeit haben. Solche wurden im abgelaufenen Geschäftsjahr nicht identifiziert.

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die einzelnen Risikokategorien mit den Risikoklassen und den betroffenen Segmenten. Die Chancen und Risiken, die sich aus der geplanten Akquisition des Unternehmens Monsanto ergeben, werden detailliert im nachfolgenden Kapitel beschrieben.

Wesentliche Risikobereiche im Überblick

Risikokategorien
Risikoklasse
Betroffene Segmente oder Konzern1

Strategische Risiken

Externes Netzwerk und Partnerschaften

Mittel

PH, Konzern

Operative Leistungsrisiken

Geistiges Eigentum

Mittel

PH, CS

Forschung und Entwicklung

Hoch

PH, CS2

Einkauf und Produktion

Mittel

CS

Personal

Mittel

Konzern

Informationstechnologie

Mittel

Konzern

Finanzen, Rechnungswesen und Steuern

Mittel

Konzern

Sicherheits-, Qualitäts- und Compliance-Risiken

Produktsicherheit

Mittel

PH, CS

Gesundheit, Sicherheit und Umweltschutz

Mittel

Konzern

Qualitätsanforderungen und behördliche Auflagen

Hoch

CS, PH2

Recht und Compliance

Externe Risiken

Geschäftsumfeld und Absatzmärkte

Mittel

PH, CS, CH

Politisches, soziales und makroökonomisches Umfeld

Mittel

CS

Naturkatastrophen und Krisen

Mittel

PH, Konzern

PH: Pharmaceuticals; CS: Crop Science; CH: Consumer Health

1 Genannt werden die Segmente, die wesentliche Risiken identifiziert haben. Grundsätzlich können auch andere Segmente in geringerem Ausmaß betroffen sein. Bei wesentlichen Risiken, die von Konzernfunktionen berichtet werden, weisen wir den Konzern aus.

2 Risikoklasse: Mittel

Externes Netzwerk und Partnerschaften

Entlang der Wertschöpfungskette unserer Produkte unterhalten wir Partnerschaften. Eine suboptimale Leistung unserer Partner kann die Entwicklung, Herstellung oder Vermarktung unserer Dienstleistungen und Produkte beeinflussen und sich negativ auf unser Geschäft auswirken.

In einigen Ländern werden die Vermarktungsrechte für bestimmte pharmazeutische Produkte von Dritten gehalten. Eine unzureichende Leistung dieser Vertriebspartner kann sich negativ auf unsere Umsatz- und Kostenentwicklung auswirken. Wir haben daher ein „Alliance Management“ etabliert, um wesentliche Kooperationen zu überwachen und den operativen Funktionen entsprechende Hilfestellung zu bieten.

Darüber hinaus werden einige Materialien, insbesondere in unserem Segment Pharmaceuticals, von einer nur sehr geringen Anzahl an Lieferanten zur Verfügung gestellt. Durch Lieferverzögerungen kann es zu Produktionsunterbrechungen kommen. Ebenso kann es zu Preisanpassungen kommen, die einen negativen Einfluss auf unsere Marge haben können. Diesen Risiken begegnen wir durch den Aufbau von alternativen Zulieferern, Abschluss von längerfristigen Verträgen, die Ausweitung von Lagerbeständen oder Eigenherstellung. Strategic Material Review Committees (SMRCs) überprüfen und bewerten regelmäßig die Zulieferrisiken.

Aus Gesamtkonzernsicht besteht das Risiko, dass unsere Unternehmenswerte, Anforderungen an Ethik, Compliance und Nachhaltigkeit nicht adäquat durch unser externes Netzwerk sowie unsere Partner berücksichtigt werden. Diesem Risiko begegnen wir durch einen Evaluierungsprozess, einen Verhaltenskodex für Lieferanten sowie Bewertungen und Audits von Lieferanten.

Geistiges Eigentum

Der Bayer-Konzern verfügt historisch wie auch aktuell über ein Portfolio, das zu großen Teilen aus patentgeschützten Produkten besteht. Aufgrund der langen Zeitspanne zwischen der Patentanmeldung und der Markteinführung eines Produkts hat Bayer in der Regel nur wenige Jahre Zeit, um einen angemessenen Ertrag zur Deckung der Entwicklungskosten zu erwirtschaften. Umso wichtiger ist ein wirksamer und sicherer Patentschutz. Insbesondere Generika-Anbieter versuchen, Patente vor ihrem Ablauf anzugreifen. Wir sind derzeit in Gerichtsverfahren involviert, um den Patentschutz für unsere Produkte durchzusetzen. Klagen Dritter aufgrund potenzieller Verletzung von Patenten oder sonstiger Schutzrechte durch Bayer können die Entwicklung oder Herstellung bestimmter Produkte behindern oder gar stoppen und uns zu Schadenersatz- oder Lizenzzahlungen an Dritte verpflichten. Unsere Patentabteilung prüft in Zusammenarbeit mit den jeweiligen operativen Bereichen regelmäßig die aktuelle Patentlage und beobachtet mögliche Patentverletzungsversuche, um bei Bedarf rechtliche Schritte einzuleiten.

Forschung und Entwicklung

Geschäftsübergreifend sehen wir Chancen durch unsere Innovationskraft sowohl in der Weiterentwicklung unserer Marken als auch in der Entwicklung unserer Forschungspipeline.

Im Segment Pharmaceuticals ergeben sich Chancen aus der Digitalisierung und damit verbundener neuer Methoden in der Forschung und Entwicklung, die Zeit sparen und die Entwicklungseffektivität erhöhen.

Um unsere Innovationskraft zu stärken, setzen wir auch auf die Vernetzung außerhalb unserer Unternehmensgrenzen. Daraus entstehen langfristig neue Impulse für die Entwicklung neuer Produkte.

Trotz aller Anstrengungen können wir nicht sicherstellen, dass wir hinreichend Forschungskandidaten identifizieren und dass alle Produkte, die sich zukünftig oder derzeit in unserer Entwicklungspipeline befinden, ihre geplante Zulassung / Registrierung erreichen und erhalten bzw. sich auf dem Markt kommerziell erfolgreich behaupten werden. Dies kann u. a. daran liegen, dass bei der Produktentwicklung technische, kapazitative und zeitliche Anforderungen nicht erfüllt oder anvisierte Studienziele verfehlt werden. Dabei kann auch die Leistungsfähigkeit unserer Forschungspartner ein limitierendes Element sein. Bei der Produktzulassung oder -einführung kann es zu Verzögerungen oder Mehrkosten kommen. Der Bayer-Konzern versucht, diesem Risiko über ein ganzheitliches Portfoliomanagement zur Einschätzung der Erfolgswahrscheinlichkeit und zur Priorisierung seiner Entwicklungsprojekte entgegenzuwirken.

Einkauf und Produktion

An unseren Standorten kann es trotz aller Vorkehrungen zu Betriebsunterbrechungen kommen, z. B. durch Brände, Stromausfälle, Cyber-Angriffe oder Lieferunterbrechungen. Dies schließt auch externe Partner ein. Können wir die Nachfrage nach unseren Produkten nicht bedienen, kann es zu einem strukturellen Umsatzrückgang kommen. Diesem Risiko begegnen wir durch eine Verteilung der Produktion für bestimmte Produkte auf verschiedene Standorte bzw. durch den Aufbau von Sicherheitsbeständen. Zudem ist an allen unseren Produktionsstandorten als verpflichtender Bestandteil unseres HSEQ (Health, Safety, Environment, Quality) Englische Abkürzung für Gesundheit, Sicherheit, Umweltschutz und Qualität. -Managements ein Sicherheits- und Krisenmanagement auf Grundlage einer entsprechenden Konzernregelung implementiert.

Personal

Qualifizierte und engagierte Mitarbeiter sind eine entscheidende Voraussetzung für den Unternehmenserfolg. Schwierigkeiten bei der Rekrutierung, Einstellung, Bindung und Weiterentwicklung von Fachkräften können erhebliche negative Auswirkungen auf die künftige Unternehmensentwicklung haben. Darüber hinaus können eine unangemessene und nicht transparente Firmenkultur und ‑strategie sowie daraus abgeleitete Ziele und Anforderungen an die Mitarbeiter demotivieren und zu unzureichender Leistung führen und die Attraktivität von Bayer als Arbeitgeber negativ beeinflussen.

Basierend auf Analysen des zukünftigen Bedarfs entwickeln wir entsprechende Maßnahmen zur Personalrekrutierung und -entwicklung. Die Ausrichtung unserer Firmenkultur auf personelle Vielfalt ( Diversität (Diversity) bezeichnet die Vielfalt innerhalb der Belegschaft im Hinblick auf Geschlecht, Herkunft, Nationalität, Alter, Religionszugehörigkeit, sexuelle Orientierung und körperliche Konstitution der Beschäftigten. ) und Mitarbeiterbedürfnisse ermöglicht es uns zudem, das gesamte Arbeitsmarktpotenzial auszuschöpfen. Darüber hinaus ist ein bewusstes und transparentes Veränderungsmanagement fester Bestandteil der Personalführung, um unsere Mitarbeiter dauerhaft zu motivieren.

Informationstechnologie

Die Geschäfts- und Produktionsprozesse sowie die interne bzw. externe Kommunikation des Bayer-Konzerns basieren auf globalen IT-Systemen. In diesem Zusammenhang ist die Vertraulichkeit von internen und externen Daten für Bayer von elementarer Bedeutung. Ein Verlust der Vertraulichkeit, Integrität und Authentizität von Daten und Informationen, z. B. durch (Cyber-)Angriffe, kann zu Manipulationen und / oder zu einem unkontrollierten Abfluss von Daten und Know-how führen. Um diesem Risiko zu begegnen, werden z. B. neu einzusetzende Technologien mit einer hohen Intensität getestet, und es werden Projekte durchgeführt, um die technischen Sicherheitsstandards auf dem neuesten Stand zu halten und proaktiv neue Bedrohungen zu untersuchen (z. B. Informationssicherheit@Bayer, Cyber Security Initiative, User Awareness). Ferner wird die bestehende IT- Infrastruktur durch Schutzmaßnahmen des Corporate Cyber Defense Center vor unerlaubtem Zugriff geschützt.

Finanzen, Rechnungswesen und Steuern

Liquiditätsrisiko

Liquiditätsrisiken reflektieren die mögliche Unfähigkeit des Bayer-Konzerns, bestehende oder zukünftige Zahlungsverpflichtungen zu erfüllen. Das Liquiditätsrisiko wird von der Konzernfunktion Finanzen im Rahmen unserer taggleichen und mittelfristigen Liquiditätsplanung zentral ermittelt und gesteuert. Um konzernweit sämtliche geplante Zahlungsverpflichtungen zur jeweiligen Fälligkeit erfüllen zu können, werden entsprechende liquide Mittel bereitgehalten. Darüber hinaus wird eine Reserve für ungeplante Mindereingänge oder Mehrausgänge vorgehalten, deren Höhe regelmäßig überprüft und angepasst wird. Des Weiteren stehen Bankkreditlinien, insbesondere eine nicht in Anspruch genommene, syndizierte revolvierende Syndizierte Kreditfazilität Vereinbarung über eine Kreditlinie mit einer Gruppe von Banken, meist für umfangreiche Finanzierungen wie Akquisitionen, zur Erweiterung der zur Verfügung stehenden Liquiditätsreserven oder als Sicherung für ausgegebene Schuldverschreibungen. Die Kreditlinie kann flexibel innerhalb der Laufzeit in Teilen oder ganz gezogen werden und auch wieder zurückgeführt werden. in Höhe von 3,5 Mrd. € mit aktueller Laufzeit bis 2020, zur Verfügung.

Kreditrisiken

Die Werthaltigkeit von Forderungen und anderen finanziellen Vermögenswerten des Bayer-Konzerns kann beeinträchtigt werden, wenn Transaktionspartner ihren Verpflichtungen zur Bezahlung oder sonstigen Erfüllung nicht nachkommen. Das maximale Ausfallrisiko wird durch vorhandene Sicherheiten, insbesondere unsere globalen Kreditversicherungsprogramme, reduziert. Zur Steuerung der Kreditrisiken aus Handelsforderungen sind bei den fakturierenden Gesellschaften jeweils verantwortliche Credit Manager benannt, die regelmäßig Bonitätsanalysen der Kunden vornehmen. Sicherheiten liegen für einen Teil dieser Forderungen vor und werden in Abhängigkeit von den lokalen Rahmenbedingungen genutzt, z. B. Kreditversicherungen und Bürgschaften. Grundsätzlich wird Eigentumsvorbehalt mit unseren Kunden vereinbart. Für alle Kunden werden Kreditlimite festgelegt. Darüber hinaus werden alle Limite für Schuldner mit einem Gesamtrisikoexposure von 10 Mio. € und mehr lokal beurteilt und der Zentralfunktion Finanzen vorgelegt. Die Steuerung der Kreditrisiken aus Finanztransaktionen erfolgt zentral im Bereich Finanzen. Zur Risikominimierung werden Finanztransaktionen nur im Rahmen festgelegter Limite mit Banken und Partnern getätigt, die bevorzugt ein „Investment Grade“ besitzen.

Chancen und Risiken aus Marktpreisänderungen

Chancen und Risiken aus Änderungen von Marktpreisen im Devisen Ansprüche auf Zahlungen in fremder Währung an ausländischen Plätzen, meist in Form von Guthaben an ausländischen Banken oder im Ausland zahlbare Wechsel bzw. Schecks. Auf fremde Währung lautende Banknoten und Münzen sind keine Devisen, sondern Sorten. - und Zinsbereich werden zentral durch die Zentralfunktion Finanzen gesteuert. Im Rahmen der Steuerung werden Risiken durch den Einsatz derivativer Finanzinstrumente vermieden bzw. begrenzt. Art und Ausmaß von Devisen- und Zinsrisiken werden jeweils durch eine Sensitivitätsanalyse dargestellt, bei der durch eine hypothetische Veränderung von Risikovariablen (z. B. Zinskurven) potenzielle Effekte auf das Eigenkapital und die Gewinn- und Verlustrechnung abgeschätzt werden können. Die in den Sensitivitätsanalysen verwendeten Annahmen spiegeln unsere Sicht der Veränderungen von Wechselkursen und Zinssätzen wider, die in einem Zeitraum von einem Jahr und unter Zugrundelegung angemessener Maßstäbe möglich sind. Diese Annahmen werden regelmäßig überprüft.

Devisenchancen und -risiken ergeben sich für den Bayer-Konzern aus Änderungen von Devisenkursen und den damit verbundenen Wertänderungen von Finanzinstrumenten (u. a. Forderungen und Verbindlichkeiten) sowie künftigen geplanten Zahlungseingängen und -ausgängen in funktionaler Währung. Forderungen und Verbindlichkeiten aus operativer Geschäftstätigkeit und finanziellen Positionen werden in der Regel für liquide Währungen in voller Höhe mit Zins-Währungsswaps währungskursgesichert. Künftig geplante Zahlungseingänge und -ausgänge (antizipiertes Exposure) werden nach Managementvorgaben durch Devisentermingeschäfte und -optionen gesichert.

Zur Ermittlung der Sensitivitäten ist eine hypothetische Auf- bzw. Abwertung des Euro gegenüber allen Währungen um 10 % basierend auf den Jahresendkursen dieser Währungen zugrunde gelegt worden. Zum 31. Dezember 2017 hätte der geschätzte hypothetische Gewinn oder Verlust von Cashflows aus derivativen und nicht-derivativen Finanzinstrumenten auf das Ergebnis und das Eigenkapital (Other Comprehensive Income) 346 Mio. € betragen (31. Dezember 2016: 380 Mio. €). Davon beziehen sich 155 Mio. € auf den US-Dollar (USD), 66 Mio. € auf den chinesischen Renminbi (CNY), 44 Mio. € auf den japanischen Yen (JPY) und 40 Mio. € auf den kanadischen Dollar (CAD). Währungseffekte auf das antizipierte Exposure bleiben hierbei unberücksichtigt. Der Effekt auf das Eigenkapital aus im Rahmen von Hedge Accounting designierten Derivaten zur Absicherung unseres antizipierten Exposures hätte 353 Mio. € betragen.

Zinschancen und -risiken ergeben sich für den Bayer-Konzern durch Änderungen von Kapitalmarktzinsen, die wiederum zu Änderungen des beizulegenden Zeitwerts von festverzinslichen Finanzinstrumenten sowie zu veränderten Zinszahlungen bei variabel verzinslichen Finanzinstrumenten führen können. Die Steuerung von Zinschancen und -risiken erfolgt über eine vom Management festgelegte, regelmäßig überprüfte Ziel-Duration für die Konzernverschuldung. Um die angestrebte Zielstruktur für die Konzernverschuldung zu erhalten, werden Zinsswaps abgeschlossen. Eine Sensitivitätsanalyse auf Basis unserer Nettoposition aus variabel verzinslichen Verbindlichkeiten und Forderungen zum Jahresende 2017 unter Berücksichtigung der für unsere Verbindlichkeiten und Forderungen in allen wesentlichen Währungen relevanten Zinssätze ergab: Eine hypothetische Erhöhung dieser Zinssätze ab dem 1. Januar 2017 um einen Prozentpunkt hätte (bei konstanten Wechselkursen) zu einem Anstieg unserer Zinsaufwendungen zum 31. Dezember 2017 in Höhe von 13 Mio. € geführt (31. Dezember 2016: 31 Mio. €).

Finanzrisiken im Zusammenhang mit Pensionsverpflichtungen

Der Bayer-Konzern hat Verpflichtungen gegenüber jetzigen und früheren Mitarbeitern aus Pensions- und anderen pensionsähnlichen Leistungszusagen. Veränderungen relevanter Bewertungsparameter wie Zinssatz, Sterbewahrscheinlichkeiten und Gehaltssteigerungsraten können eine Erhöhung des Barwerts der Pensionsverpflichtungen bedingen, was zusätzliche Aufwendungen für Pensionspläne erforderlich machen oder infolge der innerhalb der Gesamtergebnisrechnung im sonstigen Ergebnis erfassten versicherungsmathematischen Verluste zu einem niedrigeren Eigenkapital führen kann. Ein Großteil der Pensionsverpflichtungen ist durch Planvermögen gedeckt, das aus festverzinslichen Wertpapieren, Aktien, Immobilien und anderen Vermögensanlagen besteht. Rückläufige oder gar negative Erträge aus diesen Anlagen können sich ungünstig auf den zukünftig beizulegenden Zeitwert des Planvermögens auswirken. Beide Effekte können die Entwicklung des Eigenkapitals und / oder die Ertragslage negativ beeinflussen und / oder zusätzliche Zahlungen unseres Unternehmens notwendig machen. Dem Risiko von Marktwertschwankungen des Planvermögens begegnen wir durch eine ausgewogene strategische Anlagenallokation und eine ständige Analyse der Anlagerisiken im Hinblick auf unsere weltweiten Pensionsverpflichtungen.

Steuerrisiken

Die Bayer AG und ihre Tochtergesellschaften operieren weltweit und unterliegen damit vielfältigen nationalen steuerlichen Gesetzen und Regelungen. Die Gesellschaften des Bayer-Konzerns werden fortlaufend von Finanzbehörden in verschiedenen Ländern geprüft. Änderungen der Steuergesetze und -regelungen, der Rechtsprechung und der Auslegung durch die Finanzbehörden sowie Feststellungen der Prüfungsbehörden in diesen Ländern können zu höheren Steueraufwendungen und -zahlungen führen und zudem Einfluss auf die Höhe der Steuerforderungen und -verbindlichkeiten sowie auf die aktiven und passiven latenten Steuern haben. Den sich ergebenden Risiken begegnen wir durch eine fortlaufende Identifikation und Bewertung der steuerlichen Rahmenbedingungen.

Produktsicherheit

Bayer bewertet mögliche Gesundheits- und Umweltrisiken eines Produkts entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Trotz umfassender Studien vor der Zulassung / Registrierung eines Produkts ist es möglich, dass es zu einer teilweisen oder kompletten Rücknahme vom Markt kommen kann, u. a. bedingt durch das Auftreten von unerwarteten Nebenwirkungen. Ein solcher Vertriebsstopp kann freiwillig erfolgen oder auch durch rechtliche und behördliche Schritte begründet sein. Diesen Risiken begegnen wir mit einer Aufbau- und Ablauforganisation für die Arznei- und Pflanzenschutzmittelsicherheit und -prüfung. Bei Crop Science gibt es zudem ein umfassendes Stewardship-Programm.

Gesundheit, Sicherheit und Umweltschutz

Neben der Sicherheit unserer Produkte hat der Schutz unserer Mitarbeiter und der Umwelt hohe Priorität. Fehlverhalten und die Nichteinhaltung der Anforderungen können Personen-, Sach-, Reputations- und Umweltschäden, Produktionsausfälle und Betriebsunterbrechungen sowie Verpflichtung zu Schadenersatzzahlungen zur Folge haben. Mit unseren Grundsätzen, Standards und Maßnahmen stellen wir sicher, dass unsere Anforderungen adäquat kommuniziert, verstanden und bestmöglich umgesetzt werden.

Qualitätsanforderungen und behördliche Auflagen

Unsere Geschäftstätigkeit unterliegt in nahezu allen Ländern umfassenden Regulierungen, Standards und Auflagen sowie Kontrollen. Durch die steigenden Erwartungen von Öffentlichkeit und Aufsichtsbehörden erwarten wir weiterhin deutlich verschärfte Prüfanforderungen, z. B. im Bereich Gesundheit an klinische Studien und in Produktionsprozessen, oder bei Crop Science bei der Kontrolle gentechnisch modifizierter Organismen, insbesondere auch auf Länderebene. Das Auftreten von Spuren unerwünschter gentechnisch modifizierter Organismen in landwirtschaftlichen Erzeugnissen oder Lebensmitteln kann nicht vollständig ausgeschlossen werden. Potenzielle Verstöße gegen aktuelle oder sich verändernde regulatorische Anforderungen können straf- und zivilrechtliche Sanktionen, einschließlich erheblicher monetärer Strafen, eine Einschränkung unserer unternehmerischen Handlungsfreiheit sowie weitere finanzielle Nachteile zur Folge haben. Sie können der Reputation von Bayer schaden und zu Absatz- bzw. Margenrückgängen führen. Darüber hinaus können geänderte Anforderungen zu höheren Produktentwicklungskosten und -zeiten sowie zu einer erforderlichen Anpassung des Produktportfolios führen.

Den Risiken begegnen wir durch verbindlich beschriebene Grundsätze, Standards und implementierte Kontrollmechanismen. Veränderungen in den regulatorischen Anforderungen werden überwacht mit dem Ziel, die Umsetzung sicherzustellen. Qualitätsbezogene Anforderungen werden in globalen Quality-Management-Systemen definiert und implementiert.

Recht und Compliance

Der Bayer-Konzern ist Risiken aus Rechtsstreitigkeiten oder -verfahren ausgesetzt, an denen wir entweder aktuell beteiligt sind oder die sich in Zukunft ergeben könnten. Dazu gehören insbesondere Risiken aus den Bereichen Produkthaftung, Kartellrecht, Wettbewerbsrecht, Antikorruptionsrecht, Patentrecht, Steuerrecht, Datenschutz sowie Umweltschutz. Ermittlungen und Untersuchungen aufgrund möglicher Verletzungen gesetzlicher Vorschriften oder regulatorischer Bestimmungen, wie potenzielle Verstöße gegen Kartellgesetze oder bestimmte Marketing- und Vertriebspraktiken, können straf- und zivilrechtliche Sanktionen zur Folge haben, einschließlich erheblicher monetärer Strafen sowie weiterer finanzieller Nachteile. Sie können der Reputation von Bayer schaden und sich nachteilig auf unseren Unternehmenserfolg auswirken. Um die Einhaltung von Gesetzen und Regeln sicherzustellen, hat der Bayer-Konzern ein globales Compliance-Managementsystem etabliert.

Geschäftsumfeld und Absatzmärkte

Wir sehen das Risiko, dass unser Wachstum und Marktanteil durch den zunehmenden weltweiten Kostendruck auf Gesundheitssysteme sowie Preisregulierungen gebremst werden könnte. Staatliche Preisregulierungen, auch bedingt durch den weltweiten Kostendruck auf die Gesundheitssysteme, können die Renditen unserer pharmazeutischen Produkte schmälern und können dazu führen, dass die Markteinführung eines neuen Produkts im Einzelfall unrentabel wird. Darüber hinaus könnten unser Wachstum und unsere Marktanteilsentwicklung durch innovative und aggressive (Preis-)Politik unserer Wettbewerber, auch aus dem Generikabereich, negativ beeinflusst werden.

Nach unserer Einschätzung wird das jetzige Ausmaß der Preisregulierung und des Preisdrucks weiterhin bestehen oder sogar zunehmen. Durch gestärkte eigene F&E-Kapazitäten, Akquisitionsmaßnahmen und Partnerschaften stellen wir uns auf diese Entwicklung ein.

Auch der aktuell stattfindende globale Konsolidierungsprozess in der Saatgut- und Pflanzenschutzindustrie verändert unser Wettbewerbsumfeld. Darüber hinaus sehen wir im Segment Crop Science das Risiko, dass sich die Märkte für Saatgut und Pflanzenschutzmittel durch die Digitalisierung der Landwirtschaft grundlegend wandeln können, mit Auswirkungen auf die Wertschöpfung und den Zugang zu Märkten und Kunden. Können wir nicht durch geeignete Initiativen an diesen Entwicklungen partizipieren oder ihnen entgegenwirken, könnte dies zum Verlust von Kunden, Marktanteilen oder Geschäftswert führen sowie höhere nachträgliche Investitionen erforderlich machen. Diesem Risiko begegnen wir unter anderem durch unsere Digital-Farming-Initiative, bei der wir Ergebnisse aus der Analyse und Interpretation von landwirtschaftlichen Daten nutzen, sowie durch ausgewählte weitere Akquisitionen und breite wissenschaftliche und kommerzielle Partnerschaften.

Auch im Segment Consumer Health besteht das Risiko, dass durch Digitalisierung und neue digitale Produkte bestehende Geschäftsmodelle Verwerfungen unterliegen. Die Digitalisierung ist ein wesentlicher Hebel für die Erlangung eines Wettbewerbsvorteils. Wenn wir die Entwicklung nicht adäquat in unsere bestehenden Geschäftsmodelle integrieren, könnte dies zum Verlust von Kunden und Marktanteilen führen. Im Rahmen von Initiativen beobachten wir den Markt sehr genau und erarbeiten Strategien, um die Entwicklungen in unseren Geschäftsmodellen abbilden zu können.

Politisches, soziales und makroökonomisches Umfeld

Veränderung der politischen, sozialen und makroökonomischen Faktoren, z. B. Konjunktur, Lebenserwartung, Bevölkerungszahl, Verbraucherverhalten bzw. gesellschaftliche Trends, politische Krisen und Instabilität, bieten für uns Chancen, gehen aber auch mit Risiken einher.

Moderne Landwirtschaftstechniken, der Einsatz bestimmter Klassen von Pflanzenschutzmitteln sowie die Anwendung von Gentechnik sind immer wieder Gegenstand öffentlicher Debatten. In Folge dieser politischen Meinungsbildung können sich gesetzliche und regulatorische Entscheidungen ergeben, die die Anwendbarkeit unserer Produkte erheblich beschränken, bis hin zur freiwilligen oder erzwungenen Einstellung der Vermarktung. Ferner können sich Entscheidungen ebenfalls auf landwirtschaftliche Importe aus anderen Regionen und somit auf unser Geschäft dort auswirken. Um diesen Risiken zu begegnen, verfolgen wir intensiv die regulatorischen und gesetzgeberischen Entscheidungsprozesse und entwickeln unser Produktportfolio im Hinblick auf zu erwartende Veränderungen weiter. Darüber hinaus stehen wir mit Interessengruppen und Behörden in kontinuierlichem Dialog im Sinne wissenschaftlich fundierter, rationaler und verantwortungsvoller Diskussionen und Entscheidungen.

Die Chancen unserer landwirtschaftlichen Geschäfte entstehen durch die wachsende Weltbevölkerung mit erhöhtem Nahrungsmittelbedarf. Darüber hinaus verändert sich zum Teil das Konsumverhalten hin zu einer steigenden Nachfrage nach Lebensmitteln tierischen Ursprungs. Demzufolge muss die Produktivität der Landwirtschaft steigen, um den sinkenden Pro-Kopf-Anbauflächen, den Herausforderungen durch den Klimawandel und den vermehrten Resistenzen gerecht zu werden. Um bei steigendem Bedarf und limitierten Ackerflächen ausreichend Lebens- und Futtermittel produzieren zu können, erwarten wir eine zunehmende Nachfrage nach hochwertigen Saatgut- und Pflanzenschutzprodukten. So entwickelt Crop Science beispielsweise Verfahren, um Nutzpflanzen effektiver u. a. gegen Klima- und Umwelteinflüsse zu schützen und den Ernteertrag zu steigern.

Als Folge der steigenden Lebensqualität und -erwartung rückt zunehmend auch die medizinische Versorgung älterer Patienten in den Vordergrund. Die Ausrichtung auf die Gesundheit älterer Patienten und den Fokus auf bestimmte, im Alter verstärkt auftretende Erkrankungen, beispielsweise Krebs- oder chronische Herz-Kreislauf-Erkrankungen, birgt für uns Chancen. Auf den erhöhten Bedarf an innovativen Gesundheitsprodukten für altersbedingte Krankheiten reagiert Bayer im Segment Pharmaceuticals u. a. mit der Fokussierung seiner Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten auf entsprechende Therapiegebiete.

Naturkatastrophen und Krisen

Naturkatastrophen, Pandemien bzw. Epidemien, terroristische Aktivitäten oder vergleichbare kritische Vorfälle können Auswirkungen auf unsere Geschäftsaktivitäten haben. So liegen einige unserer Produktionsstätten in Regionen, die von Naturkatastrophen betroffen sein können, z. B. Überschwemmungen oder Erdbeben. Das kann zu einem Stillstand von Produktionsstätten oder zu anderen Produktionsunterbrechungen führen, mit Personen- und Reputationsschäden einhergehen und zu Absatz- bzw. Margenrückgängen führen sowie den Wiederaufbau zerstörter Infrastruktur erforderlich machen.

Diesen Risiken begegnen wir durch unsere lokalen Krisenorganisationen, die unter anderem Reaktionspläne bereitstellen. Wir haben Frühwarnsysteme implementiert und stellen eine kontinuierliche Berichterstattung sicher, auch werden regelmäßig Krisenübungen durchgeführt. Darüber hinaus wurde eine globale Community zum Thema Sicherheit aufgebaut, und die Fachabteilung Business Continuity Management der Konzernfunktion Risk Management bewertet solche Risiken und definiert, gemeinsam mit den verantwortlichen Fachbereichen, entsprechende Maßnahmen.

Vergleich zum Vorjahr